Skip to content

Wild campieren: Zelt vs. Biwaksack

Wann eignet sich das komfortablere Zelt? Und wann ist der leichte Bivy Bag die bessere Wahl?

IMG_3830

Übernachten in den Bergen ist einzigartig. Man hat noch Licht, wenn andernorts bereits Schatten herrscht, geniesst Sonnenuntergänge vor schönstem Panorama, schläft mit Blick auf die Milchstrasse und erwacht mit den ersten Sonnenstrahlen.

Vor den ersten Erfahrungen mit Wildcamping fragen sich viele, ob sich ein Zelt oder ein Biwaksack dafür besser eignet.

Ich nutze beides gerne. In diesem Blogpost erfährst du, was aus meiner Erfahrung fürs eine oder andere spricht.

Rücksichtsvolles Wildcamping

Wenn wir wild campieren, sind wir Gäste in der Natur oder beim entsprechenden Landbesitzer. Deshalb sollten wir uns auch so verhalten.

Konkret heisst das:

  • Wir campieren nur dort, wo es erlaubt ist und fragen im Zweifelsfall nach
  • Wir respektieren sensible Lebensräume
  • Wir hinterlassen keine (!) Spuren (Abfall, WC-Papier und Essensreste zurück ins Tal nehmen)
  • Wir machen keinen Lärm

Tipps und Informationen zum Wildcamping findest du in diesem umfassenden Artikel des SAC.

Biwaksack: Hautnah an der Natur

Photo 31.05.19, 06 55 38

Wenn man so richtig nahe an der Bergwelt sein will, ist der Biwaksack die beste Option. Je nach Modell ist dieser sehr leicht, bieten Platz für einen Rucksack und sind im Gelände je nach Farbe kaum sichtbar (das kann ein Vor- oder Nachteil sein). Ausserdem ist man sehr flexibel, die Platzsuche ist einfacher und man hat bei schönem Wetter den direkten Blick auf den Sternenhimmel (im warmen Schlafsack zu liegen und direkt in die Milchstrasse zu blicken ist unbezahlbar).

Die Minuspunkte sind für mich, dass ich wegen meiner Kurzsichtigkeit in der Nacht immer zuerst nach meiner Brille kramen muss, wenn ich aus meinem Frischluft-Bett einen Blick auf die Sterne erhaschen will (lohnt sich dennoch!). Auch empfinde ich Nächte im Biwaksack ganz generell als nasser, kälter und weniger komfortabel als im Zelt. Und ich schlafe im Biwaksack etwas schlechter, da ich weniger Platz habe.

Tipp: Frei atmen im Biwaksack

Manche Biwaksäcke lassen sich - bis auf kleine Luftluken - vollständig schliessen. Das ist toll für die Wärmeregulation und, um unwillkommenes Kriechtier abzuhalten, kann aber auch etwas Angst vor Luftknappheit hervorrufen.

Hier hilft es, einen Rucksack als Stütze vertikal im Kopfteil aufzustellen oder das Kopfteil mit Schnüren an Wanderstöcken, Ästen oder Felsen in der Nähe zu befestigen.

Seit ich das weiss, schlafe ich im Biwaksack deutlich besser.

Not- vs. Schlaf-Biwaksack

Man unterscheidet übrigens zwischen Not-Biwaksäcken und Schlaf-Biwacksäcken (auf die ich mich in diesem Blogpost beziehe).

Not-Biwaksäcke sind für den Notfall und nicht auf Komfort ausgelegt. Man nimmt sie auf Wanderungen oder Skitouren mit, um in einem Notfall draussen übernachten zu können, einen Verunfallten einigermassen warm zu halten und Nässe und Wind etwas abzuhalten.

Schlaf-Biwaksäcke wurden speziell fürs einfache Übernachten in der Natur konzipiert. Sie sind etwas komfortabler, stabiler aber auch schwerer und grösser als Not-Biwaksäcke: Je nach Modell sind sie atmungsaktiv, mit Mückennetz oder sogar einem Gestänge beim Kopfteil ausgestattet.

Pro Biwaksack

  • Leicht
  • Nähe zur Natur
  • Direkter Blick in den Sternenhimmel
  • Erlaubt das unauffällige Übernachten / stört dadurch kaum
  • Einfach zum Einrichten
  • Braucht wenig Platz vor Ort
  • Eignet sich tagsüber als Sitzunterlage

Contra Biwaksack

  • Man wird fast immer etwas nass - auch in modernen, als „atmungsaktiv“ deklarierten Biwaksäcken (durch das Kondenswasser des Körpers)
  • Kaum Schutz vor Mücken (ausser man hat einen Biwaksack mit Mückennetz) und anderen Tieren
  • Man wird nicht gesehen (was in einem Notfall schlecht sein kann)
  • Nicht geeignet als Aufenthaltsraum (z.B. bei Regen)
  • Wenn zum Schutz vor Regen zusätzlich noch eine Plane mitgeführt werden muss, ist der Gewichtsunterschied zu einem leichten Zelt kaum mehr vorhanden.

Zelt: Mehr Schutz und Komfort

Mein Wohnzimmer

Zelte sind häufig etwas schwerer, besser sichtbar, aber auch komfortabler und wetterbeständiger als Biwaksäcke.

Tipp: Zeltgewicht verringern

Bei vielen Zelten ist es möglich, lediglich die äusserste Schicht mitzunehmen (und damit Gewicht zu sparen, aber auch Wärme und Komfort einzubüssen).

Oder man baut lediglich das Innenzelt auf (und hat damit zwar keinen Schutz vor schlechtem Wetter, aber zumindest vor Insekten, und kann den Blick auf die Sterne geniessen).

Pro Zelt

  • Geräumig (Platz für Schuhe, Rucksack oder Kocher im Vorzelt)
  • Komfortabel
  • Wetterfest
  • Guter Mückenschutz (bei geschlossenen Einstiegsluken)
  • Aufenthaltsraum auch bei Regen
  • Gute Sichtbarkeit (im Falle eines Notfalls)

Contra Zelt

  • Schwerer
  • Etwas aufwändiger zum Einrichten und Abbauen als Biwaksack
  • Braucht mehr Platz / stört in der Natur eher als Biwaksack
  • Kein direkter Blick in den Sternenhimmel
  • Braucht mehr Platz als Biwaksack
  • Unauffälliges Übernachten ist schwierig

Faktoren für die Entscheidung

Was sich also am besten eignet, ist immer von den Umständen abhängig. Ich entscheide folgendermassen:

Zelt

Wenn ich zu zweit oder in Gruppen unterwegs bin und das Wetter unsicher ist, ziehe ich das Zelt vor. Dann können wir uns das Gewicht aufteilen und kommen damit pro Person etwa auf das Gewicht meines Camping-Biwaksacks. Bei schlechtem Wetter kann man auch gut noch im Zelt sitzen und Karten spielen oder lesen. Im Biwaksack ist das schwieriger.

Biwaksack

Wenn das Wetter gut und der Blick auf den Sternenhimmel frei ist oder wenn ich möglichst unentdeckt campieren will, setze ich auf den Biwaksack. Der Abenteuerfaktor ist auf jeden Fall grösser im Bivybag und ich mag das Gefühl, so "nahe" an der Natur zu sein.

Zusätzliche Tipps

  • Biwaksack nie ganz schliessen (Gefahr von Luftknappheit)
  • Rucksack vertikal im Kopfteil des Biwaksacks aufstellen - schafft etwas mehr Raum
  • Biwaksack (mit aufgeblasener Matte drin) als Sitzunterlage benutzen
  • Bei schlechtem Wetter eine leichte Plane spannen und darunter liegen (dann kann man das Gesicht doch im Freien lassen und schläft besser)
  • Zum Gewicht sparen nur den Regenschutz-Teil oder (bei gutem Wetter) nur den Innenteil des Zeltes mitnehmen
  • Vor Touren, die viel Konzentration erfordern, lohnt es sich - sofern Gewicht keine so grosse Rolle spielt - die Schlafart zu wählen, die einen möglichst guten Schlaf ermöglicht. Das wird für die meisten Leute das Zelt sein.